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Wildkräuter im Juli – was du jetzt noch sammeln kannst

  • Autorenbild: Astrid Hasselmann
    Astrid Hasselmann
  • 9. Juli
  • 5 Min. Lesezeit
Sommerliche Wildblumenwiese mit rosa Wicken, violetten Blütenständen und gelben Farbtupfern im Sonnenlicht.

Viele Menschen haben das Gefühl, dass die große Wildkräuterzeit mit dem Frühsommer schon vorbei ist. Im April und Mai ist alles frisch, zart und neu, im Juni blüht es überall – und im Juli wirkt vieles schon kräftiger, höher, trockener oder sogar ein bisschen überständig.


Doch genau das ist der Punkt:Der Juli ist nicht das Ende der Sammelzeit. Er ist einfach eine andere Sammelzeit.

Denn jetzt verschiebt sich der Blick. Nicht mehr alles ist jung und mild. Manche Pflanzen werden würziger, manche Blätter fester, manche Blüten stehen in voller Kraft, und bei anderen beginnt schon die Zeit von Samen, Früchten oder aromatischen Sommertrieben.

Wer im Juli sammelt, sammelt also anders – aber keineswegs weniger.


Der Juli verlangt einen anderen Blick

Im Frühjahr geht es oft um junge Blätter, erste Rosetten und zarte Kräuter für Salat oder Frischgrün. Im Juli dagegen lohnt es sich, genauer hinzusehen:

  • Welche Pflanzen stehen noch schön in Blatt?

  • Welche Blüten sind jetzt besonders aromatisch?

  • Welche Kräuter eignen sich eher zum Trocknen als zum Frischessen?

  • Wo sind Pflanzen noch saftig, wo schon derber?

  • Was ist jetzt gut für Tee, Würze oder Vorrat?


Der Juli ist damit ein Monat, in dem aus dem spontanen Sammeln oft ein bewussteres Sammeln wird.


Nicht alles, was im Frühjahr gut war, ist jetzt noch ideal

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis für diesen Monat: Manche Pflanzen sind im Juli noch da, aber nicht mehr in derselben Qualität wie im Frühling.

Junge Gierschblätter etwa sind im Frühjahr oft zarter als im Hochsommer. Brennnesseln können jetzt je nach Standort schon gröber sein. Andere Pflanzen dagegen sind gerade jetzt besonders interessant, weil sie in voller Blüte stehen oder eine starke Würzkraft entwickelt haben.

Der Juli ist also kein Monat für pauschales „Das kann man doch immer sammeln“, sondern für etwas mehr Unterscheidung.


Person hält ein frisch gebündeltes Kräuterbüschel in einem sonnigen Garten in den Händen.

Dost und Oregano – Sommeraroma pur

Was im Juli wirklich Freude macht, sind Kräuter, die jetzt ihre volle Würze entfalten. Dost und Oregano gehören unbedingt dazu.

Diese Pflanzen sind jetzt oft besonders aromatisch und eignen sich wunderbar für:

  • Kräutersalz

  • Trockenvorräte

  • Gewürzmischungen

  • Öl- oder Essigansätze

  • sommerliche Küchenideen


Gerade der Juli ist ein guter Monat, um solche aromatischen Kräuter bewusst zu sammeln und für später haltbar zu machen.


Beifuß – kräftig, würzig, sommerlich

Auch Beifuß gehört zu den Pflanzen, die im Juli interessant werden. Er ist kein zartes Frühlingskraut, sondern eher eine kräftige Sommerpflanze mit Charakter.

Sammeln lassen sich vor allem:

  • junge Triebspitzen

  • obere Blattbereiche

  • je nach Entwicklungsstand auch Blütenansätze

Beifuß ist eher etwas für:

  • Würzideen

  • Räucherwerk

  • Trocknung

  • kräftigere Sommeranwendungen

Er gehört zu den Kräutern, bei denen man im Juli besonders gut merkt: Jetzt geht es weniger um Frische, sondern mehr um Aroma und Ausdruck.


Spitzwegerich – oft immer noch gut zu finden

Der Spitzwegerich ist eine der Pflanzen, die uns über viele Monate begleiten. Auch im Juli lässt er sich oft noch gut finden, vor allem an Wegen, Wiesenrändern und offenen Stellen.

Wichtig ist dabei:

  • junge, saubere Blätter bevorzugen

  • nicht zu harte oder stark strapazierte Exemplare wählen

  • eher frische Blattpartien sammeln

Spitzwegerich eignet sich weiterhin für:

  • Tee

  • Frischanwendungen

  • Kräutermischungen

  • sanfte Hausapotheke


Er gehört damit zu den verlässlichen Pflanzen, die auch im Hochsommer noch Teil des Sammelalltags sein können.


Brombeerblatt – jetzt eine schöne Wahl

Im Juli lohnt sich auch der Blick auf Brombeerblätter. Sie werden oft weniger beachtet als Früchte oder Blüten, sind aber gerade für Trockenvorräte eine spannende Sommerpflanze.

Geeignet sind vor allem:

  • gesunde, junge bis mittlere Blätter

  • möglichst unbeschädigte Blattpartien

  • trockene Sammelmomente


Brombeerblätter lassen sich gut trocknen und später in Teemischungen verwenden. Sie gehören zu jenen Pflanzen, die im Juli eher still daherkommen, aber sehr nützlich sein können.


Blühende Schafgarbe mit weißen Dolden auf einer sommerlichen Wiese.

Schafgarbe – jetzt oft in voller Sommerkraft

Die Schafgarbe ist im Juli eine besonders schöne Sammelpflanze. Sie steht vielerorts in Blüte und bringt genau das mit, was Sommerkräuter oft auszeichnet: Präsenz, Würze und eine starke Pflanzenhandschrift.

Sammelbar sind vor allem:

  • Blüten

  • obere Triebspitzen

  • blühende Krautanteile

Schafgarbe eignet sich im Juli gut für:

  • Tee

  • Kräuterbündel

  • Trockenvorrat

  • Bitteransätze

  • kleine Sommermischungen


Sie ist eine jener Pflanzen, bei denen der Hochsommer nicht das Ende, sondern oft gerade die richtige Zeit ist.


Frauenmantel – je nach Standort noch wunderbar

Auch Frauenmantel kann im Juli noch eine schöne Sammelpflanze sein, besonders wenn er an günstigeren, nicht zu trockenen Standorten wächst.

Spannend sind hier vor allem:

  • Blatt

  • obere Pflanzenteile

  • eventuell noch schöne Blütenstände

Frauenmantel ist eher nichts für die schnelle Würzküche, sondern eher für:

  • Tee

  • Trocknung

  • sanftere Kräutervorräte


Im Juli zeigt sich bei ihm gut, wie wichtig der Standort ist: Auf feuchteren oder geschützteren Flächen wirkt er oft noch ganz anders als auf sonnig-trockenen Stellen.


Brennnessel – selektiv statt pauschal

Die Brennnessel ist zwar fast immer da, aber im Juli lohnt sich ein genauerer Blick. Nicht jede Brennnessel ist jetzt noch ideal.

Gut geeignet sind eher:

  • junge obere Triebspitzen

  • frischer Neuaustrieb nach Schnitt

  • Pflanzen an günstigeren Standorten

Weniger sinnvoll sind oft:

  • sehr hohe, grobe Pflanzen

  • überständige Bestände

  • stark belastete Wegesränder


Im Juli sammelt man Brennnessel also besser gezielt statt einfach überall.


Giersch – nur die jungen Teile

Auch Giersch kann im Juli noch gesammelt werden, aber hier gilt besonders deutlich: Nicht die ganze Pflanze ist jetzt automatisch attraktiv.

Sinnvoll sind eher:

  • frische junge Blatttriebe

  • heller Neuaustrieb

  • weichere Blattpartien


Für Rohkost oder frische Küche ist der Juli-Giersch oft weniger ideal als der Frühlingsgiersch. Für Würze, Mischungen oder gekochte Anwendungen kann er aber weiterhin interessant sein.


Blüten spielen jetzt eine größere Rolle

Was im Juli besonders schön ist: Der Fokus verschiebt sich stärker zu Blüten und blühenden Triebspitzen.

Spannend sind jetzt zum Beispiel:

  • Schafgarbe

  • Dost

  • Oregano

  • Beifuß

  • eventuell noch Mädesüß je nach Lage

  • Ringelblume im Garten

  • Kamille, wenn noch gute Bestände da sind


Der Juli ist also auch ein Monat für Vorräte, Blütentees und aromatische Sommermischungen.


Nicht nur essen – auch trocknen und aufbewahren

Während im Frühjahr viel direkt in den Salat oder aufs Brot wandert, ist der Juli oft ein idealer Monat zum:

  • Trocknen

  • Bündeln

  • Einlagern

  • Mischen

  • Ansetzen


Viele Kräuter, die jetzt gesammelt werden, eignen sich besonders gut für spätere Verwendung. Das macht den Juli zu einem wichtigen Monat für alle, die sich einen kleinen Kräutervorrat anlegen möchten.


Korb mit frisch geernteten Sommerkräutern wie Basilikum, Thymian und Salbei auf einer Wiese.

Sammeln im Juli heißt auch: auf Hitze achten

Der Sommer bringt noch etwas mit sich: Nicht nur Pflanzen verändern sich, auch die Sammelbedingungen.

Wichtig ist jetzt:

  • lieber nicht in der größten Mittagshitze sammeln

  • trockene Tage wählen

  • Pflanzen nicht erschöpft oder schlaff ernten

  • zügig verarbeiten oder luftig ausbreiten

  • nur gesunde, saubere Pflanzenteile mitnehmen


Gerade im Juli merkt man schnell, wie stark Sonne und Wärme die Pflanzenqualität beeinflussen können.


Weniger Menge, mehr Auswahl

Im Frühling sammelt man oft großzügig, weil vieles gleichzeitig in schöner Qualität da ist. Im Juli ist Sammeln oft selektiver.

Das ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil.

Statt große Mengen von allem mitzunehmen, lohnt es sich jetzt mehr:

  • die richtigen Pflanzen auszuwählen

  • gute Pflanzenteile zu erkennen

  • die Nutzung schon beim Sammeln mitzudenken

  • Qualität vor Menge zu setzen


So wird aus dem Sammeln ein bewussterer Schritt.


Was im Juli besonders lohnend ist

Wenn man den Monat in einem Satz zusammenfassen möchte, dann vielleicht so:

Im Juli sammelst du weniger zarte Frühlingskräuter – und mehr Sommerkraft.

Besonders lohnend sind jetzt Pflanzen für:

  • Tee

  • Trockenvorrat

  • Würze

  • Essig- und Ölauszüge

  • Kräutersalz

  • kleine Hausapothekenvorräte


Der Juli ist also nicht das Ende des Kräutersammelns, sondern der Beginn einer anderen Phase.


Eine gute Zeit für praktische Pflanzenkenntnis

Vielleicht ist gerade das das Schöne am Juli: Er fordert uns ein wenig mehr heraus. Wir können nicht mehr alles automatisch mitnehmen, nur weil es grün und essbar ist. Wir müssen genauer hinschauen.

Und genau dort wächst oft das eigentliche Pflanzenwissen.

Denn jetzt geht es um Fragen wie:

  • Ist diese Pflanze noch in guter Qualität?

  • Welcher Teil lohnt sich jetzt?

  • Wofür möchte ich sie verwenden?

  • Ist sie eher etwas für frisch oder für Vorrat?


So wird Sammeln im Juli nicht ärmer, sondern oft klüger.


Im nächsten Beitrag …

… schauen wir darauf, wie du Sommerkräuter haltbar machen kannst und welche Methoden sich im Alltag wirklich lohnen.

Denn gerade im Juli ist ein guter Moment, um Kräuter nicht nur frisch zu nutzen, sondern auch für später zu bewahren.

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