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Kräutergarten im Oktober – schneiden, stehen lassen und winterfest machen

Autorenbild: Astrid Hasselmann
Astrid Hasselmann
vor 4 Tagen
7 Min. Lesezeit
Thymian, Salbei, Rosmarin und weitere Kräuter mit Gartenschere und Herbstlaub auf einem rustikalen Gartentisch.


Im Oktober sieht der Kräutergarten langsam ein bisschen anders aus.

Einige Pflanzen sind noch erstaunlich grün, andere ziehen sich bereits zurück. Samenstände werden braun, Blätter fallen und spätestens beim ersten richtig kalten Morgen kommt häufig dieser Impuls:

Jetzt einmal alles ordentlich zurückschneiden und aufräumen.

Aber genau das ist nicht bei jeder Pflanze die beste Idee.


Manche Kräuter dürfen jetzt noch geerntet werden. Andere sollten wir lieber in Ruhe lassen. Und so mancher vertrocknet wirkende Stängel ist im Winter für Insekten wertvoller, als er auf den ersten Blick aussieht.

Schauen wir also einmal gemeinsam durch den Kräutergarten: Was darf im Oktober weg, was sollte bleiben – und welche Pflanzen brauchen jetzt ein bisschen Unterstützung für den Winter?


Im Herbst muss der Garten nicht ordentlich aussehen

Vielleicht ist das schon die wichtigste Regel dieses Beitrags.

Ein Garten muss im Oktober nicht aussehen, als hätte gerade jemand mit Lineal und Nagelschere darin gearbeitet. 😄

Vertrocknete Blütenstände, Stängel und Laub haben durchaus ihren Sinn.

Sie können:

  • Insekten Unterschlupf bieten

  • Samen für Vögel bereithalten

  • den Boden bedecken

  • empfindliche Pflanzen etwas vor Kälte schützen

  • im Winter Struktur in den Garten bringen


Das heißt natürlich nicht, dass wir gar nichts mehr tun dürfen.

Aber statt „Alles muss weg“ hilft im Herbst eher die Frage:

„Was muss wirklich weg – und was darf bis zum Frühjahr bleiben?“


Was kann im Oktober noch geerntet werden?

Solange die Pflanzen gesund aussehen und noch frisches Wachstum zeigen, lässt sich bei einigen Kräutern weiterhin etwas ernten.

Je nach Wetter und Standort findest du beispielsweise noch:

  • Thymian

  • Salbei

  • Rosmarin

  • Petersilie

  • Schnittlauch

  • Minze

  • Zitronenmelisse

  • Dost


Dabei würde ich jetzt keine radikale Ernte mehr machen.

Gerade mehrjährige Pflanzen brauchen ihre verbleibenden Triebe und Blätter, um gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen.


Deshalb lieber:

kleine Mengen ernten statt den ganzen Pflanzenstock zurückzuschneiden.

Und wie schon im September gilt: Entscheidend ist nicht allein der Monat.

Schau dir die Pflanze an.

Frische, gesunde Triebspitzen? Wunderbar.

Gelbe, beschädigte oder bereits matschige Blätter? Die dürfen lieber auf den Kompost.


Was darf jetzt zurückgeschnitten werden?

Alles, was krank, faulig oder stark beschädigt ist, kann entfernt werden.

Auch einjährige Kräuter, deren Saison endgültig vorbei ist, dürfen aus dem Beet genommen werden.

Dazu gehören je nach Anbau beispielsweise:

  • Basilikum

  • Bohnenkraut in einjähriger Kultur

  • Dill

  • Koriander

  • Kapuzinerkresse


Wenn du Samen gewinnen möchtest, solltest du natürlich vorher einige reife Samenstände sichern.

Bei abgestorbenem Pflanzenmaterial gilt außerdem:

Ist es gesund, kann es teilweise auf dem Beet verbleiben oder kompostiert werden.

Ist es von Krankheiten oder starkem Pilzbefall betroffen, würde ich es lieber entfernen.


Mehrjährige Kräuter lieber nicht radikal schneiden

Bei vielen mehrjährigen Kräutern ist jetzt Zurückhaltung angesagt.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Thymian

  • Salbei

  • Lavendel

  • Rosmarin

  • Dost

  • Zitronenmelisse

  • Minze


Natürlich kannst du einzelne Triebe entfernen oder noch etwas ernten.

Einen kräftigen Rückschnitt würde ich im späten Herbst aber bei vielen dieser Pflanzen vermeiden.


Der Grund:

Ein starker Schnitt kann die Pflanze noch einmal zu neuem Austrieb anregen. Junge Triebe sind dann besonders empfindlich, wenn kurz darauf Frost kommt.

Außerdem bieten ältere Triebe einen gewissen Schutz für das Pflanzeninnere.

Der größere Rückschnitt darf deshalb bei vielen Kräutern ruhig bis zum Frühjahr warten.


Eine Hand entfernt mit der Gartenschere einzelne trockene und beschädigte Triebe an einer Salbeipflanze im Herbst.

Salbei im Oktober

Salbei kann im Herbst häufig noch wunderbar beerntet werden.

Gerade kräftige, gesunde Blätter eignen sich gut für Küche oder Vorrat.

Was ich jetzt allerdings nicht mehr machen würde:

den ganzen Strauch stark zurückschneiden.

Vor allem ein Schnitt tief ins alte Holz kann problematisch sein.

Entferne lieber nur:

  • beschädigte Blätter

  • kranke Pflanzenteile

  • einzelne lange oder störende Triebe

Den eigentlichen Formschnitt verschieben wir besser ins Frühjahr.


Thymian – klein, aber nicht unverwundbar

Thymian sieht oft so robust aus, dass man versucht ist, ihn im Herbst noch einmal ordentlich zu stutzen.

Auch hier gilt:

Leicht beernten – ja.

Radikal zurückschneiden – lieber nicht.

Besonders verholzte Pflanzen reagieren nicht immer begeistert darauf, wenn tief ins alte Holz geschnitten wird.

Ein bisschen „unordentlicher Thymian“ darf also ruhig in den Winter gehen.


Rosmarin braucht etwas mehr Aufmerksamkeit

Beim Rosmarin hängt viel davon ab, welche Sorte du hast und wo sie wächst.

Nicht jeder Rosmarin ist bei uns gleich winterhart.

Ein geschützter Standort, gut drainierter Boden und eine winterharte Sorte können entscheidend sein.

Besonders kritisch ist häufig nicht nur Frost.

Auch Winternässe kann mediterranen Kräutern Probleme machen.

Rosmarin mag keine dauerhaft nassen Füße.

Steht er im Topf, lohnt es sich deshalb besonders, über einen geschützten Standort nachzudenken.


Lavendel bitte ebenfalls nicht kurz rasieren

Auch Lavendel sollte im Oktober nicht noch einmal stark zurückgeschnitten werden.

Der größere Rückschnitt gehört eher in die passende Wachstumsphase.

Im Herbst kannst du vertrocknete Blütenstände entfernen, wenn du möchtest.

Ein Teil darf aber genauso gut stehen bleiben.

Gerade in Kombination mit Raureif sehen alte Lavendelstände im Winter übrigens ziemlich schön aus.

Manchmal erledigt sich das Thema „Ordentlichkeit“ also einfach durch gutes Licht. 😄


Minze und Zitronenmelisse ziehen sich zurück

Minze und Zitronenmelisse gehören zu den Kräutern, bei denen im Herbst oberirdisch irgendwann deutlich Schluss ist.

Die Blätter werden gelb, Triebe kippen um und die Pflanzen ziehen sich zurück.

Abgestorbenes Material kannst du entfernen.

Du musst aber nicht sofort alles bodennah abschneiden.

Ein Teil der alten Stängel kann über den Winter stehen bleiben und erst im Frühjahr entfernt werden.

Unterirdisch sind die Pflanzen längst mit der nächsten Saison beschäftigt.


Schnittlauch darf müde werden

Auch Schnittlauch verabschiedet sich im Herbst langsam.

Gelbe und abgestorbene Halme können entfernt werden.

Frische grüne Halme dürfen selbstverständlich noch in die Küche wandern.

Später zieht sich der Schnittlauch vollständig zurück und treibt im Frühjahr wieder neu aus.

Da braucht es keine große Winteroperation.


Herbstliches Kräuterbeet mit grünen Kräutern und stehen gelassenen trockenen Samenständen von Dost, Fenchel und Lavendel.

Samenstände: bitte nicht alle abschneiden

Gerade jetzt lohnt sich ein zweiter Blick auf verblühte Kräuter.

Samenstände von Dost, Fenchel, Dill oder anderen Kräutern können im Herbst und Winter spannend sein.

Sie dienen teilweise als Nahrung oder Struktur für Tiere und bieten kleinen Insekten Rückzugsmöglichkeiten.

Außerdem sehen viele dieser Pflanzen im Winter wunderschön aus.

Deshalb:

Nicht jeder braune Stängel ist automatisch Gartenabfall.

Wenn er gesund ist und nicht stört, darf er ruhig bleiben.


Was ist mit Herbstlaub?

Auch hier muss nicht jedes Blatt sofort verschwinden.

Unter Sträuchern, an Beeträndern oder zwischen robusten Stauden kann eine dünne Laubschicht durchaus sinnvoll sein.

Sie schützt den Boden und bietet kleinen Tieren Lebensraum.

Bei empfindlichen mediterranen Kräutern solltest du allerdings aufpassen.

Eine dicke, feuchte Laubschicht direkt um Thymian, Rosmarin oder Lavendel kann zu viel Nässe halten.

Und genau das mögen diese Pflanzen überhaupt nicht.

Deshalb lieber unterscheiden:

Feuchtigkeitsliebende Stauden dürfen etwas mehr Laub vertragen.Mediterrane Kräuter lieber luftig halten.


Mulchen – ja, aber nicht jede Pflanze gleich

Mulch kann den Boden schützen und Temperaturschwankungen abfedern.

Geeignet sein können beispielsweise:

  • trockenes Laub

  • Stroh

  • lockeres Pflanzenmaterial


Aber auch hier gilt:

Nicht jede Kräuterpflanze möchte unter einer dicken Mulchdecke verschwinden.

Besonders trockenheitsliebende Arten sollten am Pflanzenfuß nicht dauerhaft feucht gehalten werden.

Ein Kräutergarten ist eben keine WG, in der alle dieselbe Decke bekommen. 😄


Rosmarin, Salbei und Thymian in Töpfen mit Jute und Vlies als Winterschutz an einer geschützten Hauswand.

Kräuter im Topf brauchen besondere Aufmerksamkeit

Im Beet sind Pflanzenwurzeln vergleichsweise gut geschützt.

Im Topf sieht das anders aus.

Hier kann der Wurzelballen wesentlich schneller durchfrieren.

Winterharte Kräuter in Töpfen können deshalb zusätzlichen Schutz gebrauchen.


Hilfreich sind zum Beispiel:

  • Töpfe näher an eine geschützte Hauswand stellen

  • Pflanzgefäße auf Holz oder andere isolierende Unterlagen stellen

  • Topfseiten mit geeignetem Material schützen

  • mehrere Töpfe dicht zusammenstellen


Wichtig:

Auch im Winter brauchen die Pflanzen Luft und einen funktionierenden Wasserabzug.

Der Topf sollte nicht dauerhaft in Wasser stehen.


Frostfrei heißt nicht automatisch warmes Wohnzimmer

Nicht winterharte Kräuter müssen teilweise frostfrei überwintert werden.


Das bedeutet aber nicht automatisch:

ab damit neben die Heizung.

Viele Pflanzen bevorzugen im Winter einen hellen, eher kühlen Standort.

Zu warm, zu dunkel und gleichzeitig zu viel Wasser ist eine Kombination, mit der man überwinternde Kräuter ziemlich zuverlässig unglücklich macht.

Welche Bedingungen sinnvoll sind, hängt von der jeweiligen Pflanzenart ab.


Muss ich im Winter noch gießen?

Ja – aber deutlich weniger.

Immergrüne Kräuter verdunsten auch im Winter Wasser.

Besonders Pflanzen in Töpfen dürfen deshalb nicht vollständig austrocknen.

Gegossen wird am besten an frostfreien Tagen und nur dann, wenn die Erde tatsächlich trocken ist.

Was wir vermeiden möchten, ist:

nass + kalt + dauerhaft feucht.

Gerade mediterrane Kräuter reagieren darauf empfindlich.


Der Oktober ist ein guter Zeitpunkt zum Kontrollieren

Bevor der Winter richtig beginnt, kannst du einmal durch den Kräutergarten gehen und schauen:


Sind Töpfe beschädigt?

Funktionieren die Abzugslöcher?

Steht irgendwo dauerhaft Wasser?

Sind Pflanzen krank?

Müssen Kübel geschützt werden?

Fehlen Beschriftungen?


Letzteres klingt banal, wird aber spätestens im Frühjahr spannend.

Wenn aus einem leeren Topf plötzlich etwas Grünes wächst und niemand mehr

weiß, was dort eigentlich stand, beginnt wieder das beliebte Gartenspiel:

Kräuterüberraschung.


Nicht alles düngen

Im Herbst brauchen die meisten mehrjährigen Kräuter keinen kräftigen Wachstumsschub mehr.

Stark stickstoffhaltige Dünger können neues, weiches Wachstum fördern.

Und genau dieses junge Gewebe ist besonders frostempfindlich.

Deshalb ist der Oktober normalerweise nicht der Moment, in dem wir unsere Kräuter noch einmal auf maximale Wachstumsgeschwindigkeit bringen möchten.

Jetzt darf langsam Ruhe einkehren.


Was lieber bis zum Frühjahr wartet

Einige Arbeiten können wir ganz entspannt auf später verschieben.

Dazu gehören bei vielen mehrjährigen Kräutern:

  • kräftiger Rückschnitt

  • Formschnitt

  • Entfernen aller trockenen Stängel

  • stärkere Düngung

  • große Umgestaltungen des Beetes

Im Frühjahr sehen wir ohnehin besser, welche Pflanzenteile den Winter gut überstanden haben.

Dann können wir gezielt zurückschneiden.


Typische Fehler beim Kräutergarten im Herbst

Alles radikal zurückschneiden

Ein sauber leergeräumtes Beet sieht ordentlich aus – nimmt aber vielen Pflanzen und Tieren wertvolle Winterstrukturen.


Mediterrane Kräuter zu feucht einpacken

Lavendel, Thymian und Rosmarin brauchen Schutz vor extremen Bedingungen, aber keine dauerhaft nasse Kuscheldecke.


Topfpflanzen vergessen

Im Kübel sind Wurzeln wesentlich stärker Frost ausgesetzt als im Boden.


Im Winter überhaupt nicht mehr gießen

Auch wintergrüne Pflanzen brauchen gelegentlich Wasser.


Kranke Pflanzenteile liegen lassen

Gesundes Material darf stehen bleiben.

Bei deutlichem Krankheitsbefall sieht die Sache anders aus.


Kleine Oktober-Checkliste für den Kräutergarten

Bevor du Gartenschere und Winterschutz wieder wegpackst, kannst du einmal prüfen:

  • Welche Kräuter kann ich noch vorsichtig ernten?

  • Welche Pflanzen sind bereits vollständig eingezogen?

  • Gibt es kranke oder faulige Pflanzenteile?

  • Welche Samenstände dürfen stehen bleiben?

  • Welche Töpfe brauchen Frostschutz?

  • Stehen mediterrane Kräuter trocken genug?

  • Sind alle Pflanzen beschriftet?

  • Muss an frostfreien Tagen noch gegossen werden?

Und dann darf der Garten auch einfach einmal Garten sein.


Ein bisschen Unordnung gehört zum Winter

Vielleicht ist das die schönste Lektion des Kräutergartens im Oktober:

Wir müssen nicht alles erledigen.

Nicht jeder Stängel muss abgeschnitten werden.

Nicht jedes Blatt muss verschwinden.

Und nicht jedes Beet muss vor dem Winter aussehen wie frisch aus dem Gartenkatalog.

Manchmal ist es sinnvoller, etwas stehen zu lassen.

Für die Pflanze.

Für die Tiere.


Und vielleicht auch ein bisschen für uns.

Denn wenn der Kräutergarten langsam ruhiger wird, dürfen wir das schließlich auch. 🌿🍂

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