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Welche Kräuter du im September noch sammeln kannst – und wann du sie besser stehen lässt

Autorenbild: Astrid Hasselmann
Astrid Hasselmann
vor 3 Tagen
7 Min. Lesezeit
Ein flacher Weidenkorb mit frisch gesammelten Kräutern wie Minze, Thymian, Salbei und Spitzwegerich steht auf einem alten Holztisch im warmen Sonnenlicht.

Der September ist ein Übergangsmonat.

Manche Kräuter stehen noch kräftig und aromatisch da, andere haben ihre beste Zeit längst hinter sich. Einige treiben nach Regen sogar noch einmal frisch aus, während andere bereits Samen bilden, vergilben oder sich langsam zurückziehen.

Gerade deshalb lohnt sich jetzt ein genauer Blick.

Denn nur weil eine Pflanze noch grün ist, bedeutet das nicht automatisch, dass ihre Blätter auch noch besonders aromatisch oder sinnvoll für Küche und Teetasse sind.

Im September geht es weniger darum, möglichst viel zu sammeln.

Es geht darum, gute Qualität zu erkennen.


Der Kalender sagt weniger als die Pflanze

Ein häufiger Fehler beim Kräutersammeln ist, sich zu stark am Monat zu orientieren.

„Im September kann man noch Minze sammeln.“

Das kann stimmen.

Muss aber nicht.

Eine Minze an einem feuchten, halbschattigen Standort kann im September noch wunderbar frisch austreiben. Eine andere Pflanze steht vielleicht seit Wochen in trockener Sonne und besitzt nur noch harte, fleckige Blätter.

Deshalb gilt auch jetzt:

Nicht nur fragen: Welche Pflanze ist es? Sondern auch: In welchem Zustand ist sie gerade?


Woran erkennst du gute Blätter?

Für Küche und Tee eignen sich vor allem Blätter, die:

  • gesund aussehen

  • frisch und elastisch wirken

  • eine kräftige Farbe besitzen

  • frei von größeren Flecken sind

  • nicht stark angefressen sind

  • angenehm und typisch nach der Pflanze riechen

  • weder vertrocknet noch schleimig sind

Bei aromatischen Kräutern hilft ein einfacher Test:

Ein Blatt zwischen den Fingern vorsichtig zerreiben und daran riechen.

Ist das typische Aroma noch deutlich vorhanden, kann sich die Ernte lohnen.

Riecht das Blatt kaum noch oder bereits muffig, darf die Pflanze stehen bleiben.


Junge Nachtriebe sind jetzt besonders spannend

Nach Regenperioden bilden manche Pflanzen im Spätsommer oder frühen Herbst noch einmal junge Triebe.

Diese sind häufig:

  • zarter

  • frischer

  • aromatischer

  • angenehmer in der Küche

als die alten Sommerblätter.

Gerade bei kräftigen Beständen lohnt sich deshalb der Blick auf junge Triebspitzen und frische Blattrosetten.

Aber auch hier gilt:

Nur kleine Mengen entnehmen und der Pflanze genügend Grün für ihren weiteren Jahreszyklus lassen.


Nahaufnahme von frischen, hellgrünen Minzblättern mit deutlich geprägter Blattstruktur.

Minze – oft noch einmal richtig schön

Minzen können im September erstaunlich frisch sein.

Vor allem nach einem Rückschnitt oder nach ausreichend Regen treiben sie häufig noch einmal neu aus.

Gut geeignet sind:

  • junge Blätter

  • weiche Triebspitzen

  • kräftig duftende Pflanzenteile

Vermeiden würde ich:

  • stark fleckige Blätter

  • rostige oder braune Stellen

  • sehr zähe alte Triebe

Frische Minze passt jetzt noch wunderbar in:

  • Tee

  • Wasser

  • Joghurt

  • Obst

  • Kräuteressig

  • Oxymel


Zitronenmelisse – nur solange sie wirklich duftet

Bei Zitronenmelisse merkt man besonders schnell, ob sich die Ernte noch lohnt.

Die besten Blätter sind:

  • frischgrün

  • weich

  • deutlich zitronig im Duft

Nach mehreren Schnitten kann die Pflanze noch einmal schön austreiben.

Sind die Blätter dagegen:

  • hart

  • gelblich

  • stark beschädigt

  • fast geruchlos

würde ich auf die Ernte verzichten.

Zitronenmelisse lässt sich im September noch gut nutzen für:

  • Tee

  • Wasser

  • Desserts

  • Oxymel

  • Kräuteressig


Thymian – klein, aber oft noch sehr aromatisch

Thymian gehört zu den Kräutern, die auch im frühen Herbst häufig noch kräftig duften.

Hier kannst du kleine Zweige ernten, solange sie:

  • gesund

  • trocken

  • aromatisch

  • nicht stark verholzt

sind.

In der Küche passt Thymian jetzt besonders gut zu:

  • Kürbis

  • Kartoffeln

  • Pilzen

  • Hülsenfrüchten

  • Ofengemüse

Auch für Kräuteressig oder ein herbstliches Oxymel eignet er sich gut.


Dost – würzig bis weit in den Spätsommer

Dost beziehungsweise Wilder Oregano kann im September noch interessant sein.

Vor allem junge Seitentriebe und gesunde Blätter besitzen oft noch ein schönes Aroma.

Ältere Stängel sind dagegen häufig:

  • hart

  • trocken

  • verholzt

  • weniger angenehm zu verarbeiten

Dann lohnt es sich eher, einzelne gute Blätter oder junge Triebspitzen zu verwenden.

Dost passt hervorragend zu:

  • Tomaten

  • Kartoffeln

  • Brot

  • Kräuterbutter

  • Essig

  • mediterranen Gerichten


Salbei – kräftig, aber sparsam sammeln

Salbei ist häufig bis in den Herbst hinein aromatisch.

Die Blätter sollten:

  • fest

  • trocken

  • typisch graugrün

  • frei von dunklen Flecken

sein.


Für die Küche reichen meist wenige Blätter.

Salbei harmoniert jetzt besonders schön mit:

  • Kürbis

  • Kartoffeln

  • Bohnen

  • Apfel

  • Butter

  • Kräuteressig


Bei der innerlichen Verwendung konzentrierter Salbeizubereitungen sollte man allerdings nicht automatisch davon ausgehen, dass „mehr“ auch besser ist.


Rosmarin – eher Garten- als Wildkraut, aber jetzt wunderbar

Rosmarin bleibt je nach Standort lange aromatisch.

Im September passt er besonders gut in die herbstliche Küche.

Zum Beispiel zu:

  • Kartoffeln

  • Wurzelgemüse

  • Kürbis

  • Brot

  • Kräuteressig

Auch hier gilt:

Kleine Mengen reichen.

Rosmarin kann geschmacklich sehr schnell alle anderen Zutaten überholen.


Mehrere frische Spitzwegerichblätter liegen auf verwittertem Holz; im Hintergrund ist ein unscharfes Vorratsglas zu sehen.

Spitzwegerich – junge Blätter bevorzugen

Spitzwegerich kann im September noch gesammelt werden, wenn die Blätter gesund und sauber sind.

Achte besonders auf:

  • frische innere Blätter

  • grüne Farbe

  • keine Pilzflecken

  • keine stark beschädigten Stellen


Sehr alte Blätter können zäh werden.

Junge Blätter lassen sich fein geschnitten zum Beispiel verwenden in:

  • Kräuterquark

  • Aufstrichen

  • Salaten

  • Kräuterbutter

Wer Spitzwegerich heilkundlich verwenden möchte, sollte sich zusätzlich mit der jeweiligen Zubereitungsform beschäftigen.


Giersch – manchmal kommt er noch einmal zurück

Giersch ist im Sommer nicht immer besonders zart.

Nach einem Rückschnitt oder ausreichendem Regen können im September jedoch noch einmal junge, hellgrüne Blätter erscheinen.

Diese eignen sich deutlich besser als ältere, kräftige Blätter.

Junger Giersch passt zum Beispiel zu:

  • Kräuterquark

  • Suppen

  • Kartoffeln

  • Pesto

  • Brotaufstrichen

Die typische Dreiteilung des Blattes sollte vor der Ernte sicher erkannt werden.


Brennnessel – nicht jedes Blatt muss noch mit

Bei Brennnesseln lohnt sich im September ein genauer Blick.

Viele Pflanzen tragen bereits Samen und ältere Blätter können deutlich gröber geworden sein.

Junge Triebe oder frisch nachgewachsene Pflanzen können dagegen weiterhin interessant sein.

Für die Küche würde ich vor allem:

  • junge Spitzen

  • zarte Blätter

  • gesunde Nachtriebe

verwenden.


Ältere, stark angefressene oder fleckige Blätter bleiben besser an der Pflanze.

Die Samen haben wir uns ja bereits im August genauer angesehen.



Schafgarbe – lieber wenig und gezielt

Schafgarbe kann teilweise noch blühen oder junge Blätter zeigen.

Geschmacklich ist sie allerdings deutlich kräftiger und bitterer als viele andere Kräuter.

Deshalb würde ich sie im September eher als:

  • kleine Würzkomponente

  • einzelne Zugabe in Kräutermischungen

verwenden.

Nicht als Hauptbestandteil eines Gerichts.

Bei Pflanzen mit kräftigen Bitterstoffen gilt ohnehin:

Weniger ist oft mehr.


Was ist mit Blüten?

Auch im September gibt es noch essbare Blüten.

Je nach Garten und Wetter zum Beispiel:

  • Ringelblume

  • Kapuzinerkresse

  • einzelne Rosen

  • Borretsch

  • Kräuterblüten

Dabei solltest du nur Blüten verwenden, die:

  • sicher bestimmt sind

  • ungespritzt wachsen

  • frisch aussehen

  • nicht bereits braun oder welk sind

Gerade Kapuzinerkresse kann bis in den Herbst hinein noch wunderbar aussehen.


Und die Samen?

Bei vielen Pflanzen verschiebt sich der Fokus jetzt von den Blättern zu den Samen.

Typische Beispiele sind:

  • Fenchel

  • Dill

  • Koriander

  • Kümmel

  • Brennnessel

Allerdings hatten wir uns das Thema Samenreife, Trocknung und Lagerung bereits ausführlich im August angesehen.

Im September lohnt es sich deshalb vor allem zu beobachten, welche Pflanzen ihren Jahreszyklus gerade abschließen.


Verschiedene Kräuter wachsen im spätsommerlichen Gartenlicht, darunter aromatische Küchenkräuter und bereits verblühende Samenstände.

Wann solltest du auf eine Ernte verzichten?

Ein Kraut bleibt besser stehen, wenn:

  • viele Blätter vergilbt sind

  • deutliche Pilzflecken vorhanden sind

  • es stark vertrocknet ist

  • Blätter schleimig wirken

  • unangenehmer Geruch entsteht

  • die Pflanze stark geschädigt ist

  • der Bestand sehr klein ist

  • die Pflanze nicht sicher bestimmt werden kann

Auch bei Pflanzen direkt an:

  • stark befahrenen Straßen

  • Hundewiesen

  • gedüngten Ackerrändern

  • gespritzten Flächen

würde ich auf die Ernte verzichten.


Regen kann die Kräutersaison noch einmal verlängern

Ein schöner Septemberregen verändert manchmal erstaunlich viel.

Innerhalb weniger Tage erscheinen:

  • neue Minztriebe

  • junge Melissenblätter

  • frischer Giersch

  • neue Brennnesselspitzen

Deshalb lohnt es sich, bekannte Standorte im September noch einmal zu besuchen.

Die Pflanze, die vor zwei Wochen ziemlich müde aussah, kann plötzlich wieder junges Grün zeigen.


Nach Regen nicht sofort sammeln

Ganz direkt nach einem Regenschauer würde ich aromatische Kräuter allerdings nicht ernten.

Besser ist es, zu warten, bis:

  • die Pflanze wieder trocken ist

  • Tau verschwunden ist

  • die Blätter nicht mehr nass sind

Feuchte Kräuter verderben schneller und eignen sich schlechter zum Trocknen oder für Vorratsansätze.


Morgens oder später am Tag?

Für viele aromatische Kräuter eignet sich ein trockener Vormittag besonders gut.

Dann sind:

  • die Pflanzen abgetrocknet

  • die Blätter noch frisch

  • die Temperaturen meist angenehm

Nach sehr heißen Tagen kann auch der Vormittag angenehmer sein als der späte Nachmittag.

Entscheidender als die Uhrzeit bleibt allerdings:

Die Pflanze sollte trocken und in guter Qualität sein.


Frisch verwenden oder doch noch trocknen?

Im September würde ich besonders gute Kräuter nicht automatisch trocknen.

Oft ist es schöner, sie direkt zu verwenden.

Zum Beispiel in:

  • Kräuterquark

  • Kräuterbutter

  • Suppen

  • Tee

  • Dressings

  • Kräuteressig

  • Oxymel


Nur wenn wirklich schöne, aromatische Pflanzen vorhanden sind und du den Vorrat später brauchst, lohnt sich eine weitere kleine Trocknung.

Das große „Vorratsglas um jeden Preis“ haben wir im August schon hinter uns gelassen.

Jetzt darf es gezielter werden.


Kleine Mengen sind jetzt oft die bessere Wahl

Im Frühjahr oder Frühsommer lässt sich manchmal großzügiger sammeln.

Im September würde ich eher fragen:

Was brauche ich in den nächsten Tagen wirklich?

Vielleicht reichen:

  • zehn Minzblätter

  • drei Salbeiblätter

  • zwei Thymianzweige

  • eine kleine Handvoll Giersch

Das genügt oft vollkommen.

Und gleichzeitig bleiben genügend Pflanzenteile für:

  • Insekten

  • Samenreife

  • Überwinterung

  • den natürlichen Lebenszyklus

an der Pflanze.


Kräuter für Tee

Für einen einfachen frischen Kräutertee eignen sich jetzt je nach Qualität zum Beispiel:

  • Minze

  • Zitronenmelisse

  • Thymian

  • Salbei in kleiner Menge

Dabei muss ein Herbsttee nicht aus fünf verschiedenen Pflanzen bestehen.

Eine einzige gute Pflanze kann völlig ausreichen.

Gerade bei Tee lohnt es sich, den Eigengeschmack einzelner Kräuter bewusst kennenzulernen.


Verschiedene frische Kräuter wie Rosmarin, Salbei, Minze und Thymian liegen zusammen mit kleinen Kartoffeln, einem halben Kürbis und einem Apfel auf einem rustikalen Holztisch.

Kräuter für die Küche

Für herzhafte Gerichte würde ich im September besonders gern verwenden:

  • Dost

  • Thymian

  • Rosmarin

  • Salbei

  • jungen Giersch

  • junge Brennnessel

  • Spitzwegerich in kleinen Mengen

Sie passen wunderbar zu den Lebensmitteln, die jetzt ebenfalls Saison haben:

  • Kürbis

  • Kartoffeln

  • Pilze

  • Äpfel

  • Birnen

  • Bohnen

  • Wurzelgemüse

So verändert sich die Kräuterküche ganz von selbst mit der Jahreszeit.


Nicht jeder alte Trieb muss gerettet werden

Manchmal fällt es schwer, Kräuter stehen zu lassen.

Vor allem wenn man denkt:

„Das ist bestimmt die letzte Chance für dieses Jahr.“

Aber Pflanzenwissen bedeutet nicht, alles mitzunehmen.

Ein altes, hartes Blatt wird nicht besser, nur weil Oktober vor der Tür steht.

Lieber wenige schöne Pflanzenteile verwenden und den Rest der Pflanze seinen Jahreszyklus beenden lassen.


September heißt Übergang

Vielleicht ist genau das das Spannende an diesem Monat.

Ein Spaziergang kann gleichzeitig zeigen:

  • frische Minztriebe

  • reife Hagebutten

  • Brennnesselsamen

  • verblühte Stauden

  • erste vergilbende Blätter

  • Pflanzen, die sich bereits Richtung Wurzelzeit bewegen


Sommer und Herbst liegen plötzlich direkt nebeneinander.

Und die Frage lautet nicht mehr nur:

„Was wächst gerade?“

Sondern:

„Welcher Teil dieser Pflanze ist jetzt eigentlich interessant?“


Kleine September-Checkliste

Bevor etwas im Sammelkorb landet, kannst du kurz prüfen:

  1. Habe ich die Pflanze sicher bestimmt?

  2. Ist der Standort sauber und das Sammeln dort erlaubt?

  3. Sind die Pflanzenteile gesund?

  4. Ist das Aroma noch deutlich?

  5. Gibt es junge Triebe statt alter Blätter?

  6. Brauche ich die Pflanze tatsächlich?

  7. Kann genügend für den Bestand und die Natur stehen bleiben?

Wenn diese Punkte passen, steht einer kleinen Septemberernte nichts im Weg.


Weniger sammeln, genauer hinschauen

Der September ist vielleicht nicht mehr der Monat der größten Kräutermengen.

Dafür ist er ein wunderbarer Monat für Aufmerksamkeit.

Jetzt zeigt sich besonders deutlich, dass Kräutersammeln nicht nur aus Pflanzenbestimmung besteht.

Man lernt auch:

  • Alter

  • Qualität

  • Entwicklungsstadium

  • Standort

  • Jahreszeit

miteinander zu verbinden.

Und manchmal ist das Ergebnis:

Dieses Blatt kommt mit.

Manchmal aber auch:

Diese Pflanze darf jetzt einfach Herbst werden.

Beides gehört zur Kräuterkunde.


Ausblick auf den Oktober

Im Oktober gehen wir noch ein Stück tiefer.

Dann beschäftigen wir uns ausführlich damit, wie Wurzeln richtig geerntet und verarbeitet werden – vom vorsichtigen Ausgraben über Reinigung und Zerkleinerung bis zum Trocknen und Lagern.

Passend dazu starten im Oktober auch wieder unsere Wurzelführungen.

Wenn du dich beim Erkennen und Sammeln von Wurzeln noch unsicher fühlst oder einfach neugierig auf diesen ganz anderen Teil der Pflanzenwelt bist, kannst du dort gemeinsam mit uns unter die Erde schauen.

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